Hiromi Kawakami: Herr Nakano und die Frauen

Ich war noch nie in Japan. Ich interessiere mich nicht so sehr für Asien und lese selten Bücher asiatischer Autoren. Aber dieses hier würde ich noch mal lesen, denn ich habe mich in Tokio sehr wohl gefühlt.

Worum geht’s? Um Herrn Nakanos Antiquitätenladen in Tokio

Pardon, das Wort „Antiquitäten“ mag er nicht gerne, der Herr Nakano. Er ist mittelalt, verheiratet, und Inhaber eines Ladens, in dem er alte Dinge verkauft. Den Begriff „Trödel“ mag er ganz gerne, manchmal sind es auch einfach Gebrauchtwaren. Das Internet schlägt erst im Laufe des Buches zu. Am Anfang ist es ein analoger, unordentlicher Laden, ein bisschen aus der Zeit gefallen.

In jenem Geschäft arbeitet die junge Hitomi, die Ich-Erzählerin der Geschichte, als Verkäuferin. Sie weiß noch nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Außerdem ist ein gewisser Takeo angestellt, in den Hitomi sich verliebt. Allerdings ist Takeo nicht so gut im zurück-lieben. Herrn Nakanos Schwester, eine Künstlerin, ist fast jeden Tag da. Dazu der ein oder andere skurrile Kunde. Und dann sind da Herrn Nakanos Frauen: Seine Ehefrau kommt nie in den Laden, dafür aber andere weibliche Geschöpfe, mit denen er was am Laufen hat.

„Die Bank“ war Herrn Nakanos Geliebte. Seit Takeo mir erzählt hatte, dass Herr Nakano sich mit ihr traf, wenn er behauptete, er gehe zur Bank, nannten wir die Frau, die ich noch nie gesehen hatte, „die Bank“.

Kawakami, Hiromi: Herr Nakano und die Frauen (2011), S. 63

Es geht aber keinesfalls nur um diese Liebschaften. Die werden nur nebenbei thematisiert. Was mir an dem Buch so gefällt, ist, dass Hiromi Kawakami sehr wenig offensichtlich ausspricht. Die Autorin lässt Hitomi einfach beschreiben, was die Personen tun. Sie erlaubt dem Leser aus deren Gesten und Verhalten seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Kawakami gibt uns keine Beurteilung der Geschehnisse vor. Das Buch ist wunderschön leicht erzählt, und dabei stecken große Fragen nach Liebe, Glück, Freiheit und Schicksal darin.

Dieses Buch ist was für dich, wenn du:

  • gerne in Cafés sitzt und Menschen beobachtest. Genau das kannst du in Herrn Nakanos Laden tun.
  • ein Buch lesen möchtest, das man genießt, anstatt es schnell fertig zu lesen und weg zu legen.
  • junge Menschen verstehst, die ihren Weg im Leben noch finden müssen, und gespannt bist, was aus ihnen wird.

Ich habe folgendes Buch gelesen:
Kawakami, Hiromi: Herr Nakano und die Frauen. Erschienen beim Deutschen Taschenbuchverlag, 2. Auflage 2011. (Die japanische Originalausgabe erschien 2005)
Herkunft: Im Buchhandel neu gekauft, nachdem ich eine Rezension im Radio gehört hatte.

Bild: (c) Susanne

Susanne

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