Barbara Wood: Das Haus der Harmonie

Mein letzter Beitrag ist etwas her, das liegt daran, dass ich echt lang für dieses Buch gebraucht habe. Gut, es hat 525 Seiten. Aber es hat vor allem deswegen so lang gedauert, weil mich das Buch nicht gepackt hat. Meinen Geschmack hat es nicht getroffen – warum, lest ihr hier.

Worum geht’s? Um eine Familiengeschichte und eine Biotech-Firma

Im Buch werden zwei Handlungsstränge erzählt, zum einen eine aktuelle Geschichte um die Erpressung einer Biotech-Firma und zum anderen die Geschichte der Auswanderung einer junger Chinesin in die USA vor Hundert Jahren. Die beiden Handlungen treffen sich am Ende.

Familiengeschichte

Eine Chinesin wandert in den 1920 Jahren von Singapur in die USA aus, um ihren US-amerikanischen Vater zu finden. Mit dabei hat sie das Rezeptbuch ihrer Mutter für chinesische Heilmittel. Die Auswanderin macht die Herstellung chinesischer Medizin zu ihrem Lebensunterhalt und gründet ein Unternehmen, das in den 90-er Jahren zu einem großen Unternehmen geworden ist. Die Familiengeschichte ist von Intrigen und unehelichen Kindern geprägt und wird teils echt absurd.

Erpressung der Biotech-Firma

Eben dieses Unternehmen namens „Harmony Biotech“ wird im anderen Handlungsstrang erpresst. Es wird mittlerweile, also 70 Jahre später, von der Enkelin der Auswanderin geleitet. Es sind mehrere Personen ums Leben gekommen, die Medizin von Harmony eingenommen hatten, weil den Medikamenten Gift beigesetzt wurde. Gemeinsam mit ihrer großen Liebe macht sich Enkelin Charlotte auf die Suche nach dem Erpresser. Sie wird erst fündig, nachdem sie jedes Geheimnis ihrer Familie aufgedeckt hat.

Liebe, Betrug, Geheimnisse

Die Geschichte an sich klang ganz gut, deswegen habe ich Buch aus dem Bücherschrank mitgenommen. Aber ich wusste schon sehr bald, dass „Das Haus der Harmonie“ nichts für mich ist. Zum Beispiel, als gleich am Anfang plötzlich unaufgefordert Charlottes große Liebe Jonathan erscheint, um ihr zu helfen. Die beiden hatten sich seit vielen Jahren nicht gesehen und sind nicht mehr zusammen, aber Jonathan ist zufällig Hacker und macht sich daran, den Erpresser im Unternehmensnetzwerk zu finden. Mag sein, dass es mittlerweile einfach komisch anmutet, wenn der Hacker nach Stunden herausfindet, dass sich der Erpresser durch ein „externes Modem“ eingewählt hat. Das Buch wurde Ende der Neunziger Jahre verfasst, als Cyberkriminalität ein neuer, cooler Trend im Thriller-Markt war. Das passt nicht mehr in die heutige Zeit, in der man verfälschte Rezepturen nicht mehr auf Disketten speichert und ein Computerspiel-Etikett draufklebt.

Aber das ist nicht das einzige, was mich gestört hat. Vor allem die Familiengeschichte ist derart unglaubwürdig erzählt – Tote, die wiederauferstehen, Menschen, die durch Visionen und Gedanken miteinander kommunizieren, Kinder die traumatisiert sind… Barbara Wood fährt alles auf. Natürlich spricht in der Familie auch jahrelang niemand miteinander, sodass ungefähr keiner wusste, wer nun wessen Kind, Tante oder Großmutter ist. Am Schluss wird so viel aufgedeckt, dass es zu dick aufgetragen erscheint. Und eine Liebesgeschichte ist auch noch dabei, natürlich hat sich das Paar mal wegen eines Missverständnisses getrennt und nie darüber gesprochen und jemand anderes geheiratet und erst nach 15 Jahren kommt ans Licht, was das Missverständnis war. Für mich total abstrus.

Dieses Buch ist was für dich, wenn du:

  • puh, ja wann? Vermutlich wenn du dich nicht an unglaubwürdigem Kitsch störst.
  • in die Cyber-Welt der Neunziger eintauchen willst.

Ich habe folgendes Buch gelesen:
Wood, Barbara: Das Haus der Harmonie. Erschienen beim Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2000. (Die Originalausgabe erschien 1998)

Herkunft:
Aus dem Bücherschrank geholt.

Bild: (c) Susanne – aufgenommen in Seoul, Südkorea, 2018

Susanne

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