Jan Weiler: Kühn hat zu tun

Ups, ich habe einen Krimi gelesen. Die mag ich doch gar nicht. Aber als ich das Buch auf dem Flohmarkt gesehen habe, war ich gespannt, wie ein Krimi von einem Autor ist, der Bücher wie „Antonio im Wunderland“ und „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ geschrieben hat. Die haben mit einer Mordgeschichte so viel gemeinsam wie Fußballschuhe mit Ballerinas.

Worum geht’s? Um Kommissar Kühn und einen Mörder (ach was)

Kriminalkommissar Kühn hat ein Tochter, die sich ein Pony wünscht. Er hat einen Sohn, der nicht mehr mit ihm spricht. Er hat kein Auto mehr, aber einen saftigen Kredit für ein Haus mit Baumängeln. Er hat eine Ehe, die nett, aber eher praktisch ist. Und einen Job, in dem er sich mit Blut und Leichen beschäftigt. Klingt viel? Ist es auch. Kühn ist überfordert. Spätestens dann, als ein Kind aus der Nachbarschaft entführt und ein genussvoll ermordeter Rentner vor seiner Gartentür abgelegt wird.

Ich mag es so gerne, wie Jan Weiler schreibt. Das hat sich mit diesem Buch bestätigt. Ein Beispiel:

„Der Regen hatte sich im Lauf des Tages in einen zähen Nebel verwandelt, der jenem in Kühns Kopf glich. Bevor diese Erkenntnis wie ein Knallfrosch mit feuchter Lunte in ihm verglühte, dachte Kühn, dass er sich Notizen machen musste (…).“

Weiler, Jan: Kühn hat zu tun (2. Auflage 2018), S. 110

Ich habe den Absatz bestimmt dreimal gelesen, weil es mir Spaß gemacht hat, mir vorzustellen, wie ein Knallfrosch mit feuchter Lunte verglüht. Viele Sätze in diesem Buch stechen heraus, wollen beachtet werden.

Das andere, das mir gefallen hat, war die Geschichte an sich. Auch wenn es eine typische Krimi-Handlung ist, ist es doch am Ende keine ganz typische. Es kommt der Jan-Weiler-Touch dazu.

Mehr von der eigentlichen Handlung, bitte

Aber: Jetzt kommt das Aber. Ich denke noch über das Buch nach, weil es so viele Impulse gegeben hat. Kurze Impulse im Stakkato. Die eigentliche Handlung wird am Ende natürlich abgeschlossen, aber Weiler erwähnt so viele Themen, dass bei mir Fragen offen geblieben sind. Das mag beabsichtigt gewesen sein – ich kann mich nicht entscheiden, ob ich es gut oder schlecht finde. „Kühn hat zu tun“ hat mich einfach nicht mit dem richtigen Gefühl zurückgelassen. Vielleicht deswegen, weil die Impulse mich von der Hauptgeschichte abgelenkt haben. Ich fand die so gut konstruiert, dass ich gerne tiefer in sie eingetaucht wäre.

Ich mochte die oben erwähnten Bücher von Jan Weiler lieber. „Kühn hat zu tun“ erscheint mir wie ein Experiment. Misslungen ist es ganz und gar nicht – aber mein neues Lieblingsbuch wird es auch nicht.

Dieses Buch ist was für dich, wenn du:

  • Krimis magst. Mit gestressten Kriminalkommissaren, fiesen Staatsanwälten und dem ganzen Trara.
  • ein Faible für Sprache hast (Knallfrosch!).
  • alle paar Seiten einen wunderbaren Satz entdecken willst.

Ich habe folgendes Buch gelesen:
Weiler, Jan: Kühn hat zu tun. Erschienen bei Rohwolt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 2. Auflage 2018.

Herkunft:
Auf dem Fürther Graffelmarkt gekauft. Für die Nicht-Fürther: Das ist ein Flohmarkt in der Altstadt. Findet übrigens dieses Wochenende (13./14.09.19) wieder statt!

Als nächstes lese ich „Bonjour Véronique oder ein Dorf hält zusammen“ von Julia Stagg. Neugierig? Dann schau mal wieder vorbei!

Bild: (c) Susanne – aufgenommen in Oberbayern, 2018

Susanne

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