Nina George: Die Schönheit der Nacht

Ich bin hin- und hergerissen. Das Thema „Frau mit 50“ vs. „Frau mit 20“ gefiel mir gut. Aber das Buch war mir zu poetisch geschrieben. Ich habe einen Roman im Stil von „Das Lavendelzimmer“ erwartet. Diese Erwartung wurde nicht erfüllt.

Worum geht’s? Um zwei Frauen und ihre Träume

Da ist zum einen Claire, um die 50, erfolgreiche Professorin, verheiratet und Mutter eines Sohnes. Sie ist sehr selbstständig, recht gefühlskalt und hat vermutlich nur deswegen geheiratet, weil sie schwanger war. Ihr Mann und sie betrügen sich gegenseitig. Sie fragt sich, wer sie selbst ist – außer Frau und Mutter. Sie ist in einer Lebenskrise und fragt sich, was aus ihren Träumen von damals geworden ist.

Zum anderen handelt „Die Schönheit der Nacht“ von Julie. Julie ist noch keine zwanzig, arbeitet als Reinigungskraft in einem Hotel, will aber eigentlich Sängerin werden. Sie traut sich nicht zu, das zu tun, wovon sie träumt. Sie weiß nicht, wozu sie berufen ist, sie hat ihre Rolle als Frau noch nicht gefunden. Julie ist die Freundin von Claires Sohn.

Ein Sommer in der Bretagne

Zu viert fahren Claire, deren Mann und Sohn mit Julie von Paris aus in den Sommerurlaub nach Frankreich. Julie und Claire lernen sich kennen, die Ältere bringt der Jüngeren zum Beispiel schwimmen bei. Sie sprechen nicht direkt über ihre Gedanken und Träume. Aber das Buch ist abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Julie und Claire erzählt.

Überraschende Wendungen

Was sich in der Bretagne ereignet, kann ich nicht erzählen, ohne den Schluss des Buchs zu verraten. Nur soviel: Die Handlung hat mich verwirrt, vor allem gegen Ende. Seltsam fand ich auch die ausführliche Tangoszene, bei der Julie und Claire plötzlich zu sich selbst und zueinander finden. Ich glaube einfach nicht, dass jemand, der noch nie Tango getanzt hat, sich an einem Abend plötzlich so fallen lassen kann und seine verborgensten Gefühle entdeckt – nur weil er versucht Tango zu tanzen.

Poetische Ich-Perspektive

Allzu viel Handlung passiert in der Bretagne sonst nicht. Denn in den Vordergrund stellt Nina George, was in den Köpfen der Frauen passiert. Das ist an sich in Ordnung, aber hier tauch ein weiterer Punkt auf, mit dem ich Probleme hatte. Das Buch ist sehr poetisch geschrieben, die Gedanken sind oft fast philosophisch. Das hat meines Erachtens zu einem sehr abgehackten Schreibstil mit vielen kurzen Sätzen geführt, dem ich stellenweise nicht mehr folgen konnte (oder wollte?). Ich konnte mich darauf nicht einlassen, für mich wirkt das schnell gekünstelt. Das ist sicher Geschmackssache, aber ich hatte Schwierigkeiten damit.

„Das leise, weiche Knistern des Kissenbezugs. Gesicht an Gesicht. Warm. Nass. Nah. Das ruhige Forschen mit den Augen. (…) Die Gewordene.“

George, Nina: Die Schönheit der Nacht (2018), S. 290

Ich fand das Lavendelzimmer von Nina George ein wahnsinnig gutes Buch. Aber mit „Die Schönheit der Nacht“ bin ich nicht warm geworden.

Dieses Buch ist was für dich, wenn du:

  • du schöne Hardcover mit toller Haptik magst.
  • dich auf poetische Sprache in einem Roman einlassen kannst.
  • mehr Gedanken fühlen als Handlung lesen willst.

Ich habe folgendes Buch gelesen:
George, Nina: Die Schönheit der Nacht. Erschienen im Knaur Verlag, München, 2018.

Herkunft:
Im Buchhandel neu gekauft

Bild: (c) Susanne – aufgenommen in Wien (Gloriette), 2017

Susanne

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